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Persönliche Assistenz

Unterstützte Kommunikation – Bericht aus der Heilerziehungspflege

Von Moritz Wolfgang Schauenburg5 Min. Lesezeit
Illustration: Eine Person im Rollstuhl und eine Assistenzkraft kommunizieren über ein Tablet mit Symbolkarten und Sprachausgabe

Kommunikation ist ein Grundbedürfnis aller Menschen – doch nicht jeder Mensch kann sich über Lautsprache verständigen. Genau hier setzt Unterstützte Kommunikation (UK) an.

Dieser Bericht entstand während meiner Ausbildung zum Heilerziehungspfleger und beschreibt, was Unterstützte Kommunikation ist, welche Hilfsmittel es gibt und welche Rolle Assistenzkräfte dabei spielen. Personenbezogene Passagen aus der Praxis sind aus Datenschutzgründen geschwärzt.

Kommunikation und ihre Bedeutung

Der Begriff Kommunikation stammt aus dem Lateinischen (communicatio – Mitteilung, Unterredung). Kommunikation umfasst jede Form, derer sich Menschen bedienen, um ihrem inneren oder äußeren Zustand Ausdruck zu verleihen – unabhängig davon, ob dies sprachlich, mimisch oder gestisch geschieht (Fröhlich, 1989).

Kommunikation ist auch ein Grundbedürfnis aller Menschen. Das Bedürfnis nach Kontakt und Beziehung zu anderen ist uns angeboren. Kommunikation umfasst ein vielfältiges Spektrum an Motiven, Funktionen, Formen und Inhalten und geht weit über den sprachlichen Austausch und das Äußern von Bedürfnissen hinaus.

Man unterscheidet verbale und nonverbale Kommunikation. Die verbale Kommunikation umfasst alle sprachlichen Äußerungen, mündlich wie schriftlich. Nonverbale Kommunikation geschieht über Gestik, Mimik und Körpersprache sowie über paraverbale Phänomene wie Tonfall, Sprachgeschwindigkeit und Pausen.

Mögliche Störungen im Kommunikationsprozess

Kommunikation kann aus vielen Gründen gestört sein. Typische Störfaktoren sind:

  • Unterschiedliche Sprachen der Kommunikationspartner
  • Kulturelle Unterschiede und unterschiedliche Gewohnheiten
  • Mangelnde Aufmerksamkeit, etwa durch psychische Überlastung, Schlafmangel oder Aufmerksamkeitsdefizitstörungen
  • Mehrdeutigkeit, zum Beispiel Ironie (Bedeutungsumkehr) oder Sarkasmus
  • Verschiedene Kompetenzen im sozialen, kognitiven und kommunikativen Bereich

Was ist Unterstützte Kommunikation?

Unterstützte Kommunikation bezeichnet alle Kommunikationsformen für Menschen mit schwer verständlicher, begrenzter oder fehlender Lautsprache. Sie bietet Menschen in jedem Alter, die kaum, gar nicht oder nicht mehr ausreichend lautsprachlich kommunizieren können, Alternativen, um sich wirksam mitteilen zu können.

Fehlende Kommunikationsmöglichkeiten wirken sich negativ auf die Lebensqualität aus – in allen Altersklassen. Bei Kindern und Jugendlichen ist es besonders wichtig, früh mit Unterstützter Kommunikation zu beginnen, damit sie lernen, ihre Wünsche, Bedürfnisse und Probleme zu äußern. Grundsätzlich ist es aber in jedem Alter möglich, mit Unterstützter Kommunikation anzufangen – egal, wie schwer die Einschränkung ist.

Zu Beginn einer Kommunikationsförderung geht es vor allem darum zu vermitteln, dass zwischenmenschliche Kontakte und Kommunikation Spaß machen und sinnvoll sind.

Wie funktioniert Unterstützte Kommunikation?

Zu den Methoden gehören körpereigene und körperfremde Kommunikationsformen, die die vorhandenen Fähigkeiten individuell abgestimmt ergänzen, ersetzen und erweitern.

  • Körpereigene Kommunikationsformen: Blickkontakt, Atmung, Gestik, Körperhaltung, Mimik, Gebärden und Handzeichen. Sie können durch Kommunikationshilfen ergänzt werden – und umgekehrt.
  • Körperfremde Kommunikationsformen: elektronische oder nicht elektronische Kommunikationshilfen, etwa Gegenstände, Fotografien, Symboltafeln, Kommunikationsmappen oder elektronische Kommunikationsgeräte.

Hilfsmittel in der Praxis: Metacom, MetaTalkDE und Lightwriter

Metacom-Karten sind Symbolkarten, die besonders klar und leicht verständlich sind. Menschen jedes Alters kommunizieren mit ihnen – in Kindergärten, Schulen oder Altenheimen.

MetaTalkDE ist eine App zur Kommunikation mit den Metacom-Symbolen, etwa auf dem iPad. Sie ermöglicht Menschen ohne oder mit wenig bzw. schwer verständlicher Lautsprache zu kommunizieren. Das Besondere: Die App bietet einen umfangreichen, fertigen Wortschatz mit flexiblen grammatischen Strukturen und ist einfach und intuitiv zu benutzen. Wenn eine Person die App einmal beherrscht, ist die Kommunikation schnell und einfach.

Der Lightwriter SL40 connect ist ein handliches, tragbares und optisch ansprechendes Gerät, das eine schnelle Kommunikation über Schriftsprache ermöglicht. Er verfügt über eine hochwertige Sprachausgabe, die sogar über das Telefon noch sehr gut zu verstehen ist.

Die Rolle von Heilerziehungspflege und Assistenz

Heilerziehungspflegerinnen und Assistenzkräfte sollten aufmerksam und geduldig sein. Es muss auf mehr geachtet werden als nur auf sprachliche Äußerungen.

Das erste Axiom von Paul Watzlawick sagt: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Auch wenn jemand nicht direkt kommuniziert, bekommt das Gegenüber eine Botschaft. Körpersprache, Atmung, Gesichtsfarbe, Schwitzen oder ein Runzeln der Stirn sind ebenfalls Formen der Kommunikation.

Deshalb sollten Assistenzkräfte auf Mimik, Gestik, Ton und Blickkontakt achten – damit die Person, die Unterstützte Kommunikation braucht, die richtigen Informationen erhält und ihre Äußerungen richtig interpretiert werden.

Unterstützte Kommunikation im sozialen Umfeld

In meinem Praxisbericht habe ich den Einsatz Unterstützter Kommunikation bei einer konkreten Person im Wohn- und Freizeitbereich beschrieben. Diese personenbezogenen Abschnitte sind hier aus Datenschutzgründen geschwärzt.

Die zentrale Erkenntnis bleibt: Unterstützte Kommunikation funktioniert nur dann im Alltag, wenn auch das soziale Umfeld – Familie, Freunde, Assistenzkräfte – die Kommunikationsformen der Person kennt, ernst nimmt und aktiv nutzt.

Selbstreflexion

Durch diesen Bericht wurde mir nochmals klar, wie wichtig Kommunikation eigentlich ist. Eine gute Kommunikation führt meistens zu einer besseren Beziehung und Begegnung.

Wir als Heilerziehungspfleger sind eigentlich das wichtigste Instrument für eine gute Kommunikation – denn wir selbst sind bereits die Unterstützte Kommunikation für unsere Klientinnen und Klienten.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Unterstützte Kommunikation (UK)?
Unterstützte Kommunikation umfasst alle Kommunikationsformen für Menschen mit fehlender, begrenzter oder schwer verständlicher Lautsprache – von Gestik und Gebärden bis zu Symbolkarten, Apps und elektronischen Kommunikationsgeräten mit Sprachausgabe.
Für wen ist Unterstützte Kommunikation geeignet?
Für Menschen jeden Alters, die kaum, gar nicht oder nicht mehr ausreichend lautsprachlich kommunizieren können. Ein Einstieg ist in jedem Alter möglich – bei Kindern sollte möglichst früh begonnen werden.
Welche Hilfsmittel gibt es?
Nicht elektronische Hilfen wie Symbolkarten (z. B. Metacom), Fotografien oder Kommunikationsmappen sowie elektronische Hilfen wie die App MetaTalkDE oder Kommunikationsgeräte mit Sprachausgabe wie den Lightwriter SL40.
Was können Assistenzkräfte konkret tun?
Aufmerksam und geduldig sein, auf Mimik, Gestik, Ton und Blickkontakt achten und die Kommunikationsformen der unterstützten Person kennen und aktiv nutzen – im Sinne von Watzlawick: Man kann nicht nicht kommunizieren.

Fazit

Unterstützte Kommunikation gibt Menschen ohne ausreichende Lautsprache eine Stimme – ob über Blick und Geste, Symbolkarten oder elektronische Talker.

Entscheidend ist ein aufmerksames Gegenüber: Assistenzkräfte und das soziale Umfeld sind selbst Teil der Kommunikation und tragen maßgeblich dazu bei, dass Mitteilungen ankommen und richtig verstanden werden.

Quellen

Über den Autor

Moritz Wolfgang Schauenburg

Gründer & Inhaber von AssistMatch

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