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Persönliche Assistenz

Arbeitgebermodell in der Persönlichen Assistenz – Assistenz selbst organisieren

Von Moritz Wolfgang Schauenburg8 Min. Lesezeit
Illustration: Eine Person im Rollstuhl plant am Schreibtisch mit Unterlagen die Organisation ihrer persönlichen Assistenz

Wer Persönliche Assistenz benötigt, möchte häufig selbst entscheiden, wer im eigenen Alltag unterstützt, wann die Assistenz stattfindet und wie die Zusammenarbeit gestaltet wird.

Eine Möglichkeit dafür ist das sogenannte Arbeitgebermodell. Dabei beschäftigst du deine Assistenzkräfte selbst und übernimmst damit eine besonders aktive Rolle bei der Organisation deiner Unterstützung.

Das bietet viel Selbstbestimmung und Flexibilität. Gleichzeitig entstehen Aufgaben, die bei einem Assistenzdienst normalerweise vom Dienstleister übernommen werden.

In diesem Ratgeber erfährst du, wie das Arbeitgebermodell grundsätzlich funktioniert, welche Aufgaben damit verbunden sind und worüber du dir vor der Entscheidung Gedanken machen solltest.

Was ist das Arbeitgebermodell?

Beim Arbeitgebermodell beschäftigst du deine persönlichen Assistenzkräfte selbst.

Das bedeutet: Nicht ein Assistenzdienst ist Arbeitgeber der Assistenzkräfte, sondern du selbst.

Du entscheidest damit unter anderem, welche Personen du einstellst, wann sie arbeiten und wie die Assistenz in deinem Alltag gestaltet wird.

Das Arbeitgebermodell kann beispielsweise im Zusammenhang mit Leistungen zur Sozialen Teilhabe und einem Persönlichen Budget genutzt werden. Welche Finanzierung und welcher Leistungsträger im Einzelfall infrage kommen, hängt allerdings von der individuellen Situation und dem festgestellten Unterstützungsbedarf ab.

Ein wesentlicher Gedanke des Modells ist die Selbstbestimmung: Die Assistenz soll sich möglichst an deinem Leben orientieren – und nicht dein Leben an den Strukturen eines Dienstleisters.

Wie funktioniert das Arbeitgebermodell?

Im Arbeitgebermodell organisierst du dein Assistenzteam grundsätzlich selbst.

Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass du jede Verwaltungsaufgabe persönlich erledigen musst. Je nach Modell und Finanzierung können beispielsweise Lohnbüros, Beratungsstellen, Budgetassistenz oder andere Unterstützungsangebote bei organisatorischen Aufgaben helfen.

Wichtig ist vor allem: Im Arbeitgebermodell liegt die Arbeitgeberrolle grundsätzlich bei dir.

  • Assistenzkräfte suchen
  • Bewerbungsgespräche oder Kennenlerngespräche führen
  • Arbeitsverträge abschließen
  • Arbeitszeiten planen
  • Dienstpläne erstellen
  • Löhne auszahlen
  • Sozialversicherungsbeiträge berücksichtigen
  • Urlaubsansprüche organisieren
  • Krankheitsausfälle auffangen
  • Vertretungen organisieren
  • notwendige Unterlagen und Nachweise führen

Welche Aufgaben übernimmt man als Arbeitgeber?

Wer Assistenzkräfte selbst beschäftigt, übernimmt nicht nur mehr Entscheidungsfreiheit, sondern auch Arbeitgeberpflichten.

  • Arbeitsverträge: Die Beschäftigung sollte rechtlich sauber geregelt sein. Dazu gehören beispielsweise Arbeitszeit, Vergütung, Urlaub und weitere Arbeitsbedingungen.
  • Lohnabrechnung: Beschäftigte müssen ordnungsgemäß abgerechnet werden. Je nach Beschäftigungsverhältnis sind unter anderem Steuern und Sozialversicherungsbeiträge relevant. Viele Arbeitgeber im Assistenzbereich nutzen deshalb professionelle Unterstützung bei der Lohnabrechnung.
  • Arbeitszeit: Auch in der Persönlichen Assistenz gelten arbeitsrechtliche Vorgaben. Gerade bei langen Diensten, Nachtassistenz, Bereitschaftszeiten oder umfangreichen Assistenzmodellen kann die Arbeitszeitplanung komplex werden.
  • Urlaub: Assistenzkräfte haben als Arbeitnehmer grundsätzlich Anspruch auf Urlaub. Für dein Assistenzteam bedeutet das: Urlaubszeiten sollten möglichst frühzeitig geplant und Vertretungen organisiert werden.
  • Krankheit: Auch eine Assistenzkraft kann kurzfristig krank werden. Deshalb ist es sinnvoll, nicht ausschließlich von einer einzigen Person abhängig zu sein. Ein stabiles Assistenzteam und klare Vertretungsregelungen können hier entscheidend sein.

Wie wird Persönliche Assistenz finanziert?

Die Finanzierung Persönlicher Assistenz hängt vom individuellen Bedarf und der jeweiligen Leistung ab. Je nach Situation können unterschiedliche Leistungsträger zuständig sein.

Eine wichtige Grundlage für Assistenzleistungen zur Sozialen Teilhabe findet sich im Sozialgesetzbuch IX. Persönliche Assistenz kann insbesondere im Rahmen der Assistenzleistungen nach § 78 SGB IX relevant sein.

Eine Möglichkeit zur selbstbestimmten Organisation von Leistungen ist außerdem das Persönliche Budget nach § 29 SGB IX. Das Persönliche Budget ist dabei keine zusätzliche Leistung. Stattdessen können bestimmte bereits zustehende Leistungen in einer anderen Form erbracht werden, sodass Leistungsberechtigte ihre Unterstützung stärker selbst organisieren können.

Welche Kosten im konkreten Fall übernommen werden und wie hoch ein bewilligtes Budget ausfällt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind unter anderem der festgestellte individuelle Bedarf, die zuständige Leistung und der jeweilige Kostenträger. Vor der konkreten Umsetzung kann deshalb eine unabhängige Beratung sinnvoll sein.

Wie finde ich geeignete Assistenzkräfte?

Für viele Menschen ist die Personalsuche eine der größten Herausforderungen im Arbeitgebermodell. Eine gute Assistenzkraft muss nicht nur zeitlich verfügbar sein. Auch die persönliche Zusammenarbeit sollte funktionieren.

Auch über AssistMatch kannst du nach Menschen suchen, die Persönliche Assistenz anbieten. Du legst ein Profil an, beschreibst deinen Assistenzbedarf und stellst ein, in welchem Umkreis du suchen möchtest. Anschließend kannst du passende Profile ansehen. Zeigen beide Seiten Interesse, entsteht ein Match und ihr könnt euch direkt über den integrierten Chat kennenlernen. Für private Assistenznehmerinnen und Assistenznehmer ist AssistMatch kostenlos.

  • persönliche Empfehlungen
  • lokale Stellenanzeigen
  • Hochschulen und Universitäten
  • soziale Netzwerke
  • Beratungsstellen
  • Assistenzbörsen
  • spezialisierte Vermittlungsplattformen

Was sollte ich bei der Auswahl beachten?

Fachliche Erfahrung kann wichtig sein – sie ist aber nicht das einzige Kriterium. Persönliche Assistenz findet häufig sehr nah am individuellen Alltag statt. Deshalb spielt die zwischenmenschliche Ebene eine große Rolle.

Vor einer Zusammenarbeit solltest du beispielsweise über folgende Punkte sprechen:

  • Aufgaben: Welche Tätigkeiten gehören zur Assistenz? Geht es beispielsweise um Haushalt, Körperpflege, Mobilität, Arbeit, Studium, Freizeit, Begleitung zu Terminen, Reisen, Elternassistenz oder Unterstützung bei Kommunikation? Je klarer die Aufgaben vorher besprochen werden, desto geringer ist das Risiko späterer Missverständnisse.
  • Arbeitszeiten: Brauchst du Assistenz morgens, tagsüber, nachts oder am Wochenende? Sind feste Dienste vorgesehen oder benötigst du flexible Unterstützung?
  • Nähe und Distanz: Persönliche Assistenz kann sehr private Lebensbereiche betreffen. Deshalb sollte offen darüber gesprochen werden, welche Grenzen für beide Seiten wichtig sind.
  • Zuverlässigkeit: Besonders bei notwendiger Alltagsassistenz kann ein kurzfristiger Ausfall erhebliche Auswirkungen haben. Zuverlässigkeit und klare Kommunikation sind deshalb besonders wichtig.
  • Persönlichkeit: Eine Assistenzkraft kann fachlich hervorragend geeignet sein und trotzdem menschlich nicht zu dir passen. Das ist kein persönliches Versagen auf einer der beiden Seiten. Gerade deshalb sind Kennenlerngespräche und gegebenenfalls ein rechtlich korrekt gestalteter Probeeinsatz sinnvoll.

Dienstplan, Urlaub und Krankheit organisieren

Ein gutes Assistenzteam besteht häufig aus mehreren Personen. Das reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Assistenzkräften und erleichtert die Planung bei Urlaub oder Krankheit.

  • Dienstplan: Ein Dienstplan sollte möglichst frühzeitig festlegen, wer arbeitet, wann der Dienst beginnt, wann er endet, welche Übergaben notwendig sind und welche besonderen Termine anstehen. Dabei müssen die jeweils geltenden arbeitsrechtlichen Vorgaben berücksichtigt werden.
  • Urlaubsplanung: Wenn mehrere Assistenzkräfte gleichzeitig Urlaub nehmen, kann schnell eine Versorgungslücke entstehen. Deshalb kann es sinnvoll sein, Urlaubszeiten innerhalb des Teams frühzeitig abzustimmen.
  • Krankheitsvertretung: Ein besonders wichtiger Punkt ist die kurzfristige Vertretung. Überlege bereits beim Aufbau deines Teams: Was passiert, wenn morgen früh eine Assistenzkraft ausfällt? Mögliche Lösungen können beispielsweise ein größeres Assistenzteam, Springerkräfte oder andere vorher vereinbarte Vertretungsstrukturen sein.

Vorteile des Arbeitgebermodells

Das Arbeitgebermodell bietet ein besonders hohes Maß an Selbstbestimmung. Zu den möglichen Vorteilen gehören:

  • Assistenzkräfte selbst auswählen
  • eigenes Team zusammenstellen
  • Arbeitszeiten individuell organisieren
  • direkte Kommunikation
  • hohe Flexibilität
  • Assistenz an den eigenen Alltag anpassen
  • größere Kontrolle über die konkrete Zusammenarbeit
  • langfristige persönliche Assistenzteams aufbauen

Herausforderungen des Arbeitgebermodells

Mehr Selbstbestimmung bedeutet gleichzeitig mehr Verantwortung. Mögliche Herausforderungen sind:

  • Personal finden
  • Dienstpläne erstellen
  • Arbeitsverträge organisieren
  • Lohnabrechnung
  • Arbeitgeberpflichten
  • Urlaubsplanung
  • Krankheitsvertretungen
  • Konflikte innerhalb des Teams
  • Dokumentation und Verwaltung

Für wen eignet sich das Arbeitgebermodell?

Das Arbeitgebermodell kann besonders interessant sein, wenn du:

  • deine Assistenzkräfte selbst auswählen möchtest
  • großen Wert auf individuelle Dienstpläne legst
  • möglichst viel Kontrolle über deine Assistenzorganisation haben möchtest
  • bereit bist, Arbeitgeberverantwortung zu übernehmen
  • ein eigenes Assistenzteam aufbauen möchtest
  • die damit verbundenen organisatorischen Aufgaben selbst übernehmen oder zuverlässig delegieren kannst

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Arbeitgebermodell bei Persönlicher Assistenz?
Beim Arbeitgebermodell stellst du deine Assistenzkräfte selbst an. Du bist damit Arbeitgeber und entscheidest unter anderem über Personalauswahl und Organisation deines Assistenzteams.
Kann ich meine Assistenzkräfte selbst auswählen?
Ja. Die eigene Personalauswahl gehört zu den wesentlichen Merkmalen des Arbeitgebermodells.
Muss ich die Lohnabrechnung selbst machen?
Nicht unbedingt. Die Arbeitgeberverantwortung liegt zwar grundsätzlich bei dir, bestimmte Verwaltungsaufgaben können jedoch je nach Situation beispielsweise mit Unterstützung eines Lohnbüros oder anderer geeigneter Stellen erledigt werden.
Kann ich Persönliche Assistenz über das Persönliche Budget finanzieren?
Das Persönliche Budget kann eine Möglichkeit sein, bestimmte Teilhabe- und Unterstützungsleistungen selbstbestimmt zu organisieren. Ob und in welchem Umfang es für deine Assistenz infrage kommt, hängt von deinem individuellen Leistungsanspruch ab.
Was passiert, wenn eine Assistenzkraft krank wird?
Im Arbeitgebermodell musst du grundsätzlich selbst sicherstellen, wie Ausfälle organisatorisch aufgefangen werden. Deshalb ist es sinnvoll, frühzeitig Vertretungsstrukturen aufzubauen und nach Möglichkeit nicht ausschließlich von einer einzelnen Assistenzkraft abhängig zu sein.
Brauche ich für Persönliche Assistenz eine ausgebildete Pflegefachkraft?
Nicht jede Tätigkeit der Persönlichen Assistenz erfordert automatisch eine pflegerische Fachausbildung. Welche Qualifikation notwendig ist, hängt von den konkreten Tätigkeiten und Anforderungen ab. Bei medizinischen oder behandlungspflegerischen Maßnahmen können besondere fachliche und rechtliche Anforderungen bestehen.
Wo finde ich Assistenzkräfte?
Neben Empfehlungen, Stellenanzeigen, Hochschulen und Beratungsstellen können spezialisierte Assistenzbörsen und Vermittlungsplattformen genutzt werden. Auf AssistMatch können Menschen mit Assistenzbedarf nach Assistenzkräften in ihrer Region oder deutschlandweit suchen. Nach gegenseitigem Interesse entsteht ein Match und die Kontaktaufnahme erfolgt über den integrierten Chat.
Ist AssistMatch im Arbeitgebermodell kostenlos?
Ja. Für private Assistenznehmerinnen und Assistenznehmer ist AssistMatch kostenlos. Das gilt auch für Assistenznehmer, die ihre Assistenz im Arbeitgebermodell organisieren.

Fazit

Das Arbeitgebermodell bietet Menschen mit Assistenzbedarf ein hohes Maß an Selbstbestimmung. Du entscheidest selbst, wer dich unterstützt, baust dein eigenes Assistenzteam auf und kannst die Zusammenarbeit stärker an deinem persönlichen Alltag ausrichten.

Diese Freiheit bringt gleichzeitig Verantwortung mit sich. Personalplanung, Arbeitsverträge, Lohnabrechnung, Urlaub und Krankheitsvertretungen müssen zuverlässig organisiert werden.

Deshalb ist das Arbeitgebermodell nicht automatisch für jeden Menschen die beste Lösung. Wer seine Assistenz möglichst eigenständig gestalten möchte und die organisatorischen Aufgaben übernehmen oder mit geeigneter Unterstützung bewältigen kann, erhält mit dem Arbeitgebermodell jedoch weitreichende Gestaltungsmöglichkeiten.

Und wenn du dein eigenes Assistenzteam aufbauen möchtest, beginnt alles mit den richtigen Menschen. Über AssistMatch kannst du kostenlos nach Assistenzkräften suchen, passende Profile entdecken und nach einem gegenseitigen Interesse direkt Kontakt aufnehmen.

Denn gute Assistenz beginnt nicht nur mit einem Dienstplan – sondern mit Menschen, die zueinander passen.

Quellen

Über den Autor

Moritz Wolfgang Schauenburg

Gründer & Inhaber von AssistMatch

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