Zum Inhalt springen

Assistenz im Alltag – wie das konkret aussieht

„Assistenz“ klingt abstrakt, bis man einen Tag mitläuft. Deshalb beschreibe ich hier, was im Alltag tatsächlich passiert, wie eine Woche geplant wird, wer das bezahlt und woran Zusammenarbeit oft scheitert – und woran sie gelingt.

Konkrete Beispielsituationen und eine Kostenrechnung auf Basis des Mindestlohns findest du auf der Seite Assistenz im Alltag: Beispiele & Kosten.

Typische Bereiche

Morgens

Aufstehen, Transfer, Körperpflege, Anziehen, Frühstück vorbereiten, Medikamente bereitlegen. Für viele ist das der zeitintensivste Block des Tages.

Haushalt

Einkaufen, Kochen, Wäsche, Aufräumen, Post und Papierkram sortieren – alles das, was sonst nebenbei läuft und ohne Unterstützung liegen bleibt.

Unterwegs

Begleitung zu Arzt- und Behördenterminen, zum Sport, zu Freund:innen, ins Kino oder in den Urlaub. Dazu gehört auch, Wege vorher auf Barrieren zu prüfen.

Arbeit, Studium, Ehrenamt

Assistenz am Arbeitsplatz oder in der Hochschule wird oft von anderen Stellen finanziert als die Alltagsassistenz, gehört aber in dieselbe Wochenplanung.

Kommunikation und Organisation

Telefonate, Anträge, Termine koordinieren, Dienstpläne schreiben. Wer im Arbeitgebermodell organisiert ist, plant diesen Aufwand besser fest mit ein.

Nacht

Umlagern, Toilettengänge, Beatmungs- oder Notfallbereitschaft. Ob Bereitschaft oder wacher Nachtdienst nötig ist, muss im Bedarf ausdrücklich stehen.

Wer zahlt was?

Alltagsassistenz ist in der Regel eine Leistung der Eingliederungshilfe nach § 78 SGB IX. Sie kann als Sachleistung über einen Assistenzdienst laufen oder als Persönliches Budget nach § 29 SGB IX ausgezahlt werden. Pflegerische Anteile können über die Pflegekasse nach SGB XI finanziert sein, etwa Pflegegeld oder Verhinderungspflege. Geht es um Assistenz am Arbeitsplatz, sind andere Stellen zuständig – dazu steht mehr auf der Seite zu Studium und Beruf.

Wie viel bewilligt wird, entscheidet sich über die Bedarfsermittlung. Deshalb lohnt es sich, den eigenen Alltag vorher ehrlich und detailliert aufzuschreiben – auch die Tage, an denen wenig geht.

Was die Zusammenarbeit trägt

  • Klare Absprachen zu Aufgaben, Zeiten und Bezahlung, am besten schriftlich.
  • Ich leite an – Assistenzkräfte fragen nach, statt zu interpretieren.
  • Verlässliche Dienstpläne mit Vertretung für Krankheit und Urlaub.
  • Regelmäßige kurze Rückmeldungen statt großer Konfliktgespräche.
  • Respekt vor Privatsphäre – auf beiden Seiten. Assistenz ist Nähe, aber Arbeit.
  • Schweigepflicht und Datenschutz im Arbeitsvertrag festhalten.

Assistenz in der Nähe finden

AssistMatch ist genau dafür gebaut: Profil anlegen, Umkreis einstellen, Menschen in der Region sehen, die Assistenz suchen oder anbieten. Geschrieben wird erst, wenn beide Seiten Interesse gezeigt haben. Für Assistenznehmer:innen und private Assistenzkräfte ist die Nutzung kostenlos.

Häufige Fragen

Was macht eine Assistenzkraft im Alltag?
Das richtet sich nach mir, nicht nach einem Katalog. Typisch sind Unterstützung bei Körperpflege und Anziehen, Essen zubereiten, Haushalt, Einkäufe, Wege und Termine, Begleitung in Freizeit, Ehrenamt, Ausbildung oder Beruf sowie Hilfe bei Kommunikation und Organisation.
Ist Assistenz dasselbe wie Pflege?
Nein. Pflege ist auf pflegerische Verrichtungen ausgerichtet und wird über die Pflegeversicherung (SGB XI) finanziert. Assistenz nach § 78 SGB IX soll mir ermöglichen, meinen Alltag selbstbestimmt zu gestalten und am Leben in der Gesellschaft teilzuhaben. In der Praxis greifen beide Bereiche oft ineinander.
Wer bestimmt, was gemacht wird?
Im Assistenzmodell gebe ich die Anleitung – das ist der Kern der Idee. Ich sage, wie und wann etwas gemacht wird. Assistenzkräfte handeln nach meiner Vorgabe, nicht nach eigener Vorstellung von 'gut für mich'.
Wer bezahlt die Assistenz?
In der Regel der Träger der Eingliederungshilfe auf Grundlage eines Bescheids, entweder als Sachleistung über einen Dienst oder als Persönliches Budget. Zusätzlich können Leistungen der Pflegekasse eine Rolle spielen. Privat zahlen muss ich Assistenz normalerweise nicht – es gibt aber Regeln zu Einkommen und Vermögen in der Eingliederungshilfe.
Was verdient eine Assistenzkraft?
Mindestens den gesetzlichen Mindestlohn. Wie hoch der Stundenlohn tatsächlich ist, hängt vom Träger, vom bewilligten Budget, von Qualifikation, Nacht- und Wochenenddiensten ab. Auf AssistMatch geben Profile deshalb einen konkreten Stundenlohn an, damit beide Seiten früh wissen, worüber sie reden.
Wie ist das mit Nachtdiensten?
Wenn ich nachts Unterstützung brauche, gibt es Bereitschaft oder wache Nachtdienste. Beides muss im Bedarf anerkannt und im Dienstplan sauber geplant sein, weil dafür Arbeitszeitregeln und Zuschläge gelten.
Wie viele Assistenzkräfte brauche ich?
Fast immer mehr als eine. Urlaub, Krankheit und Prüfungszeiten von Studierenden führen sonst zu Lücken. Viele organisieren ein kleines Team, in dem sich mehrere Personen die Woche teilen.

Hinweis: Diese Seite beschreibt meine persönliche Einordnung und ersetzt keine Rechts- oder Sozialberatung. Verbindlich sind die gesetzlichen Regelungen und dein Bescheid. Unabhängige Beratung bekommst du kostenlos bei den EUTB-Stellen.